31.03.2020 „Denn wo der Glaube tausend Jahre gesessen hat, eben da sitzt jetzt der Zweifel.“

Das könnte man wirklich denken, wenn ein waschechter Neoliberaler wie Emmanuel Macron am 12.03.2020 öffentlich das neoliberale Dogma der letzten Jahrzehnte hinterfragt und das Manager Magazin schreibt:

„Die Systemfrage liegt auf dem Tisch und der Westen macht keine gute Figur“. Doch was folgt aus dem Zweifel am neoliberalen Mantra? Denn die verschleppten Probleme der Privatisierung und Sparprogramme treten nun virulent zu Tage.

Wir staunen, wenn der französische Präsident in seiner Ansprache nicht nur drastische Maßnahmen ankündigt um Covid-19 einzudämmen, sondern auch eine „Zäsur in der Politik Frankreichs und Europas“ fordert und sagt, dass „Wir [...] das Entwicklungsmodell hinterfragen [müssen], in das sich unsere Welt seit Jahrzehnten verwickelt hat und dessen Mängel nun ans Licht kommen“.

Es ist ein Moment, bei dem wir hinter die Maske des seit Thatcher behaupteten TINA-Phänomens blicken können. Die andauernde Finanzkrise des „alternativlosen“ neoliberalen Marktes schlägt mit der Corona-Krise voll durch und trifft das labile Kartenhaus unseres Finanz- und Wirtschaftssystems - es droht eine Weltwirtschaftskrise.

Ohne europäische Solidarität und internationale Zusammenarbeit werden die globalen Probleme nicht zu lösen sein. Ein „Weiter-so“ geht nicht mehr. Welche Alternativen werden denkbar?

Mehr:
https://www.infosperber.ch/Politik/Macron-Europa-muss-wieder-souveran-werden
https://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/coronavirus-die-krise-ist-erst-in-phase-2-auf-finanzkrise-folgt-deflation-a-1305433-4.html

*Bertolt Brecht, Leben des Galilei, Bild 1, 1938