13.04.2020 irre relevant oder irrelevant - Corona-Zahlen

„Die einzige Art, gegen die Pest zu kämpfen, ist die Ehrlichkeit.“ (Albert Camus, 1947)

Ist es überhaupt legitim, den Begriff der "Ehrlichkeit" in die aktuelle Pandemie-Debatte einzutragen? Erlauben die täglich in "Echtzeit" veröffentlchten Zahlen der positiv Getesteten und Gestorbenen diesen Diskurs?

Um ehrlich zu sein: Ja. Denn Zahlen sind aktuell zwar  i r r e   r e l e v a n t   doch zugleich sind sie - für das konkrete Leben des Einzelnen -  i r r e l e v a n t.

Wenn man diesen Widerspruch nicht zulässt, siegt die vermeintlich in Zahlen fass- und erfahrbare "Corona"-Krise über die ebenso alle Menschen betreffenden Klima-, Flüchtlings- und Grundrechtefragen.

Die tagtäglich neu eingespielten Corona-Zahlen haben einen Vorteil: Sie vermitteln das Gefühl der Kontrolle über eine scheinbar schicksalhafte Bedrohung. Sie "sagen uns objektiv" was los ist - oder doch nicht?

Oder ist es doch nur die halbe Wahrheit, positiv Getestete mit der Zahl Infizierter gleichzusetzen? Fakt ist: Die Zahl positiv Getesteter umfasst eine kleine, nicht repräsentativ ausgewählte Gruppe. Wirklich repräsentativ wäre die Zahl der Infizierten in der Gesamt-(Welt-)Bevölkerung - eine, wenn wir ehrlich sind, momentan nicht zu ermittelnde Zahl.

Notgedrungen werden auf diesem unsicheren Boden aktuell Debatten geführt und politische Entscheidungen getroffen.

Uns geht es auch nicht darum die Notwendigkeit der bisher bei uns getroffenen Maßnahmen grundsätzlich in Frage zu stellen. Aber Transparenz und Ehrlichkeit sind in Fragen der Einschränkung bürgerlicher Grundrechte unentbehrlich.

Diskursfeindlichen Zeiten zum Trotz werden diese Fragen schon jetzt öffentlich diskutiert.

Dazu das Gespräch von Ralf Wurzbacher (Nachdenkseiten) mit dem Statistikprofessor Gerd Bosbach vom 03. April 2020.
https://www.nachdenkseiten.de/?p=59903

Bleiben Sie widerständig - nicht nur gegen das Virus!
Brigitte Gläser und Marcel Hackler
Ev. Akademie