01.05.2020 #WasWäreWenn - wir in der Krise lernen?!

Während sich in Zeiten von Corona Abschottung und autoritäre Bedarfe verschärfen, erfahren wir gleichzeitig ein solidarisches und geschärftes Bewusstsein für Gemeinwohl und Fürsorge.

Nilda Inkermann

Nilda Inkermann vom ILA-Kollektiv (Imperiale Lebensweise und solidarische Alternativen) sieht in dieser zwiespältigen Lage eine Chance:

Die „Klimakrise“ hat schon lange offenbar gemacht, dass es einer fundamentalen Wende bedarf. Diese scheint uns nur dann realisierbar, wenn wir eine Vorstellung vom „guten Leben für alle“ (s. Buen Vivir Konzept) teilen – transnational! Doch was sind die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für ein gutes Leben für Alle? (Dazu mehr in: „Das Gute Leben für Alle“ I.L.A.-Kollektiv).

Konkret versuchen wir dazu mit der Aktion #WasWäreWenn ins Gespräch zu kommen.

Was Wäre Wenn 1    Was Wäre Wenn 2    Was Wäre Wenn 3    Was Wäre Wenn 4

Mit den Plakaten soll Zweifel an der Erzählung gesät werden, dass ein gesellschaftlicher Wandel hin zu einem guten Leben für alle nicht möglich sei!

 

Wir stellten Nilda Inkermann dazu zwei Fragen:

Was bedeutet „Imperiale Lebensweise“ und wo siehst du Verbindungen zwischen der Corona Pandemie und unserer imperialen Lebensweise?

Die Pandemie lässt uns spüren, wie sehr wir aufeinander und auf natürliche Ressourcen angewiesen sind. Faktisch aber beuten wir beides, Menschen und Natur skrupellos aus. Die Folgen der grenzenlosen Gewinnmaximierung und Wachstums zeigen sich in der Pandemie unübersehbar: marode Gesundheitssektoren, Landwirtschaft, die ohne prekäre Erntehelfer*innen nicht funktionieren würde, unberechenbar überfüllte Flüchtlingslager. Das muss mit globalen Macht- und Herrschaftsverhältnissen in Verbindung gebracht werden. In Zeiten von Corona wird sichtbar, wie politische Maßnahmen in den letzten Jahrzehnten soziale Ungleichheit verschärft haben und wie politische Maßnahmen auch jetzt Ungerechtigkeit verstärken: Zuletzt die keine Kosten und Mühen scheuende Rückholung 20.000 deutscher Urlauber*innen vs. zögerlicher Aufnahme einiger Minderjähriger aus Flüchtlingslagern - #leaveNoOneBehind!

Können wir aus der Corona-Krise etwas für einen gesellschaftlichen Wandel hin zu einem guten Leben für alle lernen?

Corona macht deutlich, wie abhängig wir alle von anderen Menschen und von der Natur sind. Wir müssen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern, den Erhalt und die Entfaltung menschlichen Lebens ins Zentrum rücken - eine neue Arbeits(Zeit)teilung wäre ein Schlüssel hierzu. Sorgende Berufsgruppen, Pfleger*innen, Erzieher*innen, Lehrer*innen, Putzkräfte, Erntehelfer*innen, Landwirt*innen und weitere sind die zentralen “Leistungsträger*innen”, hier bedarf es menschengerechte Arbeitsbedingungen und Löhnen - nicht an privater Profitlogik, sondern am Gemeinwohl ausgerichtet. Corona zeigt, wie notwendig es ist, langfristig gesellschaftliche Sorge-Strukturen aufzubauen. Diese müssen in den Parlamenten, von Gewerkschaften und auf der Straße erkämpft werden!