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NWZ Brake, 01.10.04

Wesermarsch - alte und neue Heimat

Gesprächsrunde: Drei Zeitzeugen berichten im Fischerhaus über ihr Verständnis des Begriffs
Eingeladen hatte die Akademie des Kirchenkreises Stedingen. Auch Zuhörer erzählten von ihrer "Heimat".


Von Daniela Greulich

Brake - Der Begriff "Heimat" ist schwer fassbar, mit ihm verbinden die Menschen verschiedene Dinge. Über ihr Verständnis und das Leben in ihrer alten oder neuen Heimat berichteten am Mittwochabend drei Wesermärschler bei einer Veranstaltung der Akademie Regional des Kirchenkreises Stedingen im Fischerhaus. Titel: "Wesermarsch - mein lieb Heimatland?".

Annemarie Cornelius stammt aus Golzwarden und lebt jetzt in Seeverns (Butjadingen). Ursula Rösler kam vor mehr als 50 Jahren als Flüchtling aus Ostpreußen nach Brake und Sri Sireetharan vor etwa 20 Jahren aus Sri Lanka. Die Runde moderierte Dieter Qualmann, Leiter der Akademie. Knapp zwei Stunden lang berichteten die Teilnehmer, aber auch die Zuhörer von ihren Erfahrungen und der künftigen Bedeutung des Begriffes.

Für Annemarie Cornelius hat "Heimat" mit Wurzeln zu tun, sie verbindet den Begriff mit ihren Kindertagen, Familie und Menschen, aber auch etwa mit Melancholie, Nachdenklichkeit oder Wind, Wolken und Vieh. Zur Verdeutlichung brachte sie einen "Korb voller Erinnerungen" mit, bei denen auch die Zuhörer immer wieder erkennend und zustimmend nickten. Da fand sich etwa ein Buch von Hermann Allmers, ein altes Modeheft, ein Henkelmann oder ein Stück Torf.

Für Ursula Rösler und Sri Sireetharan wurde die Wesermarsch erst zur Heimat. Als 16-jähriger Flüchtling kam Ursula Rösler nach Brake zu Verwandten. Nur einen Rucksack besaßen ihre Mutter und sie, als sie in der Wesermarsch ankamen. Mit offenen Armen seien sie nicht unbedingt aufgenommen worden, berichtete sie. Doch langsam sei es vorangegangen und immer besser geworden. Heute fühlt sie sich als Brakerin.

Bei "Heimat" denkt Sri Sireetharan an den Ort seiner Kindheit in Norden von Sri Lanka - auch wenn er inzwischen sein halbes Leben in Deutschland verbracht hat. Vor 20 Jahren musste er sein Geburtsland verlassen, in dem Bürgerkrieg herrschte. Jahre habe es gedauert, bis er Fuß gefasst habe, erzählt er. Nach Deutschland gelangte er durch Zufall, eigentlich wollte er nach Paris, die Fahrkarte hatte er schon gekauft. Doch von Berlin kommend fehlte ihm die Einreiseerlaubnis nach Westdeutschland, er wurde aus dem Zug geholt und gelangte später nach Brake. Zurück will er nicht mehr: Die Wesermarsch ist ihm ein Stück Heimat geworden, seine Kinder sind hier geboren. Beim "Refugium" hilft er nun Neuankömmlingen.



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